Java Getriebe

Java und NetBeans

Gastbeitrag: Programmieren – Vom Hobby zum Beruf

Hier ist ein Gastbeitrag von Daniel Brüggemann, Azubi in meiner Arbeitsgruppe am Institut, über seine Eindrücke von Hobby und Beruf:

In ein neues Hobby startet man meistens mit überschwänglichem Elan und Begeisterung für die neuen Eindrücke und Möglichkeiten, um dann über kurz oder lang desillusioniert festzustellen, dass der Arbeitsaufwand größer und die Erfolgserlebnisse seltener als erwartet ausfallen. So ähnlich verhielt es sich, als ich mit zwölf Jahren zum ersten Mal von der Möglichkeit erfuhr, meine eigenen Spiele programmieren zu können. Mangels eines eigenen Computers wurden die ersten Figuren auf einem Taschenrechner gezeichnet und damit auch bereits die ersten Erkenntnisse gewonnen: ich brauche nicht für jeden Schritt die absoluten Koordinaten der Figur eintippen, ich zeichne einfach relativ zur Figur! Generell die Automatisierung der Abläufe fand ich faszinierend.

Weiter ging es auf dem PC mit C++ und viel zu umfangreichen Projektideen. Immer wieder holte mich die Realität ein („Dieser Code ist doch völliger Müll!“).

Im Informatikunterricht sollte uns dann Java beigebracht werden, allerdings sträubte ich mich vehement dagegen, einfach, weil ich mit C++ einigermaßen klar kam und schlichtweg keine Lust hatte, etwas anderes zu lernen. Heute weiß ich, das so eine Einstellung Gift ist für den Erfolg eines Programmierers: Engstirnigkeit und Beharren auf gewohnten Konzepten führt meist dazu, dass man nicht mit der Zeit geht und Verbesserungen oder Innovationen verpasst – gerade in dieser Branche, die sich schneller wandelt als jede andere.

Ein ganz besonders in der Hobbyprogrammierung unerlässlicher Faktor ist Motivation, Begeisterungsfähigkeit, Enthusiasmus. Es treibt einen an, selbst die nervigen, langweiligen Seiten eines Programms weiterzubearbeiten. Es verhindert (meistens), dass man einfach abbricht und sich kurzweiligeren, „leichter verdaulichen“ Hobbys widmet.
Auch im Beruf sind diese Eigenschaften vorteilhaft, vor allem weil man hier in seinen Freiheiten bezüglich der Projektwahl eingeschränkt ist und die Begeisterung auch für kleine Features und die eigenen konzeptionellen Realisierungen einen Ansporn darstellen kann.

Mit Beginn des MaTSE-Studiums – einer Kombination aus Ausbildung zum Softwareentwickler und Studium des Bereiches Scientific Programming – hatte ich eine neue Sicht auf die Programmierung gewonnen und meine Vorstellungen von diesem Beruf machten teils der Realität Platz.

Programmieren ist mehr als Code schreiben. Eigentlich ist es sogar nur zu einem geringen Teil neuer Code, den man schreibt: häufig wartet man bereits geschriebene Implementierungen, sucht nach Fehlern im Quelltext, kommentiert und dokumentiert, plant Strukturen, plant sie nochmal (diesmal besser!) … außerdem arbeitet man sich in neue Software ein. Ich habe beispielsweise erst zu Beginn der Ausbildung das Konzept der Versionsverwaltung kennengelernt.

Programmierer sind auch Nutzer. Zwischen denen, die Software schreiben, und denen, die sie nutzen, ist nicht unbedingt ein deutlicher Schnitt. Es gibt nicht nur die Kunden, die meine Software erhalten, sondern ich selber benutze auch – beispielsweise die IDE – gelegentlich können auch hier Bugs auftreten, auf die man die Zuständigen per Report hinweist (im Idealfall). Die Benutzer können auch in der eigenen Abteilung arbeiten, so dass man direkt mit diesen Rücksprache über die Wartung und Erweiterung des Programms halten kann und sollte. Und manchmal benutzt man die selbst geschriebenen Programme auch selbst – wenn man sich kleine Tools baut, die das Erstellen anderer Software vereinfachen oder die Abläufe automatisieren sollen.

Übung macht den Meister. Man gewinnt ziemlich schnell an Geschwindigkeit und kann Problemstellungen sowie vor allem auch deren Lösungen immer schneller erfassen. Ich finde es gar nicht so einfach, den optimalen Zeitpunkt zu finden, an dem man die Konzeptionierung eines Programms oder Programmteils abschließt und mit dem eigentlichen Code Schreiben beginnt. Sicher ist aber, dass man mit jedem Fehler auch lernt, gerade wenn diese dazu führen, dass man sein Konzept noch einmal umschreiben muss.

Wird das Programmieren, das man vorher nur gelegentlich hobbymäßig betrieben hat, zum Beruf und beschäftigt einen den gesamten Arbeitstag, hat das Vor- und Nachteile für die Hobby-Projekte; einerseits gewinnt man an Routine und findet einen deutlich schnelleren Einstieg in die Projekte. Andererseits fehlt einem eventuell auch einfach die Lust, sich nach einem ganzen Tag vor dem PC wieder mit dem geliebten, gehassten Code zu beschäftigen, und man sucht sich vielleicht eher einen Ausgleich wie Sport.

Daniel Brüggemann

4 Responses to Gastbeitrag: Programmieren – Vom Hobby zum Beruf

  1. Dennis K. says:

    Schöner und interessanter Beitrag, Daniel 😉 Viele Grüße aus Jena.

  2. James says:

    Hey Daniel,
    echt schicker Beitrag, gefällt mir. Ich hoffe, du veröffentlichtst noch mehr solcher Beiträge.

    lg James

  3. Oliver Trinnes says:

    Hat mir auch sehr gefallen, weiter so 🙂

  4. MarkusH says:

    Den kann ich nur zustimmen, Programmieren ist mehr als Code schreiben. Lösung zu überlegen, Strukturen entwickeln. Und Spass haben am entwickeln und zu sehen wie aus ppar Zeilen ein tolles Programm entsteht.