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Auslandspraktikum als MaTSE – Woche 1: Buenos días compañeros

This entry is part 3 of 6 in the series Auslandspraktikum als MaTSE

Ich sende herzlichste Grüße aus der Softwarefirma SAVIA in Valdepeñas, España! Die erste Arbeitswoche meines Auslandspraktikums ist vorbei und ich möchte hier über meine ersten Erlebnisse berichten. Ich weiß, ist sehr lang geworden, aber an den Überschriften kann man schnell sehen, was einen interessiert ;).

Die Anreise

Nachdem alle Formalitäten geklärt waren musste ich mich eigenständig um die gesamte Anreise kümmern. Ich hatte regelmäßigen Email-Kontakt mit der ERASMUS-Koordinatorin vor Ort, durch die ich überhaupt an den Platz gekommen bin. Diese erwartete mich am Sonntag Abend am Bahnhof von Valdepeñas. Wie ich da hin komme, war mir überlassen. Ich plante also die gesamte Reise:

  1. Bahnfahrt von Aachen zum Flughafen Düsseldorf (1,5 Stunden)
  2. Flug von Düsseldorf nach Madrid (2,5 Stunden)
  3. U-Bahn-Fahrt vom Flughafen Madrid zum Regionalbahnhof (45 Minuten)
  4. Bahnfahrt von Madrid nach Valdepeñas (2,5 Stunden)

Also schon ein paar Dinge zu beachten, besonders die Verbindungen in Madrid haben mir Sorgen gemacht: Schließlich war ich da noch nie und bei Problemen müsste ich mich in einer unbekannten Stadt mit einer unbekannten Sprache alleine zurecht finden.

Dennoch hat schließlich alles genau nach Plan geklappt (trotz unseriös erscheinendem E-Flugticket). Ich kam pünktlich am Bahnhof an und wurde von Paula (der Koordinatorin) in Empfang genommen.

Die Unterkunft

Wie wohnt man als Auslandspraktikant? Wichtige und nich ganz einfach zu beantwortende Frage. Besonders weil es sich in meinem Fall um einen kleinen Ort ohne Universität handelt. Außerdem war es nötig, möglichst eine Unterkunft für zwei Personen zu finden, denn nach zwei Wochen meines Aufenthaltes kommt David hinzu. David ist ebenfalls im WZL der RWTH tätig, studiert im gleichen Semester wie ich und ihm habe ich überhaupt die Idee des Auslandspraktikums zu verdanken. Wir haben uns für das Projekt beworben und aufgrund der geringen Angebote in Spanien beide den gleichen Praktikumsplatz bekommen. Die 2-wöchige Zeitversetzung ist von uns aus gegangen, da wir unterschiedliche Zeitfenster-Wünsche hatten.

Aber zurück zum Thema Unterkunft: Die ersten Nächte verbrachte ich in einem Hostel. Das sollte eine Zwischenlösung sein, bis Paula mir eine Wohnung zeigen konnte, die ich mit anderen Mitbewohnern teilen würde.

Das Hostel war für die geringen 30 € pro Nacht (inklusive Frühstück) sehr angenehm! Schönes sauberes Einzelzimmer mit Bad und guter Wi-Fi-Verbindung, was für unsereiner ja nicht unwichtig ist :D. Ich war also von meiner ersten Unterkunft sehr positiv überrascht.

Nach einem erholsamen Schlaf konnte ich dann auch in den Genuss des Frühstückes kommen, bei dem ich meine ersten geringen Spanisch-Kenntnisse testen konnte (bzw. musste!). Denn es handelte sich nicht, wie in Hostels üblich, um ein Buffet, sondern es kam eine Kellnerin, die mir mündlich meine Speiseauswahl vorgab! Erste Herausforderung: Bekannte Wörter raushören. Zum Glück habe ich mich vor der Reise etwas mit Speisebegriffen beschäftigt, sodass ich ungefähr wusste, was auf mich zukommt. Sehr üblich ist in Spanien der Kaffee. Um allerdings einen Kaffee so zu bekommen, wie wir ihn in Deutschland kennen, muss man schon Kaffee „con leche“ (mit Milch) bestellen, sonst bekommt man einen Espresso. Das hab ich dann noch gemeistert und den hier üblicherweise dazugehörigen Saft (zumo) habe ich auch bestellen können. Schwieriger wurde es beim Essen, aber auch da hab ich es hingekriegt, ein Croissant mit Butter und Marmelade zu bestellen.

Das Hostel war also top, aber natürlich keine Dauerlösung. Paula zeigte mir bereits am nächsten Tag die andere Wohnung. Es war eine simple, zwar leicht verrauchte Wohnung aber der spanische Mitbewohner Antonio verlangte, konstant gedolmetcht von Paula, eine halbwegs angemessene Summe für meinen Aufenthalt. Und ich war mit Sicherheit nicht in der Position, hohe Anforderungen zu stellen. Zwar teilte mir auch Paula ihre Zweifel mit und sie versuchte noch die nächsten zwei Tage, an eine bessere Wohnung zu kommen, aber schließlich zog ich am Mittwoch Abend bei Antonio ein. Tatsächlich stellte sich Antonio als sehr freundlicher, offener und lebenslustiger Typ heraus. Schon am ersten Abend kochte einer seiner Freunde (ein gelernter Koch) sehr gutes Risotto und wir verbrachten ein unterhaltsames Abendessen mit jeder Menge Zeichensprache und lustigen Missverständnissen.

Eine Unterkunft für einen ausländischen Praktikanten zu finden ist also nicht ganz einfach. Aber selbst in einem kleinen spanischen Ort ist es offensichtlich möglich – mit entsprechender Hilfe natürlich, für die ich Paula mehr als dankbar bin.

Der Arbeitsplatz

Zurück zum Montag-Morgen im Hostel: Ich wurde dann schon recht gespannt, denn ich sollte gleich meine Arbeitskollegen kennenlernen. Paula war wieder so freundlich und zeigte mir den kurzen Fußweg zur Arbeit. Um 9 Uhr wurde ich erwartet. Um 9 Uhr war ich da. Wer noch? Niemand… Die Spanier nehmens also nicht so mir der Pünktlichkeit? Naja, ich werde es nicht auf die Probe stellen. Ein paar Minuten später kam dann ein Mitarbeiter von SAVIA (Miguel) und ließ Paula und mich rein. Ich stellte mich vor, wies aber direkt drauf hin, dass mein Spanisch eher armselig ist. Miguel antwortete freundlich mit zurückhaltendem Englisch, was mich aber schon erleichterte.

Die Kollegen

Es handelt sich um den kleinsten der drei Sitze der Firma. Mit 8 Mitarbeitern recht überschaubar.  Soweit ich es bisher beobachtet habe teilt sich dieser Sitz grob in drei Bereiche auf: Entwickler (4), Kundenservice (2) und Leiter (2). Und wie das in der Branche üblich ist: Eine Frau, Rest Männer. Ungefähr die Hälfe der Kollegen können ausreichend Englisch sprechen, um über Alltägliches zu reden. Insgesamt geben sich alle sehr viel Mühe, dass ich verstehe, worum es gerade im Gespräch geht. Der Umgang ist sehr freundlich und ausgelassen und ich fühle mich nicht wie ein ungewollter Parasit, sondern wie ein neues, erwünschtes, gleichgesinntes Mitglied.

Das Büro

Die Entwickler (mich eingeschlossen) arbeiten in einem großen gemeinsamen Büro, in dem auch der Entwicklungsleiter sitzt. Ein separates Büro für die Kundenservice-Mitarbeiter und ein eigenes Büro für den Chef. Außerdem noch ein Raum für Besprechungen und Pausen. Von dem Dachgeschoss, in dem sich das Büro befindet, hat man einen schönen Ausblick über die Dächer der Stadt bishin zu der trockenen Hügellandschaft außerhalb.

Der Tagesablauf

Die Spanier gestalten ihren Arbeitstag etwas anders als Deutsche. Allerdings nicht so extrem mit mehreren Stunden Siesta zwischendurch. Ein Kollege erzählte mir, das sei eher traditionell und sehr veraltet. Schließlich kann eine spanische Firma, die mit anderen Firmen des gesamten Globus kooperiert, nicht von Tagesablauf einfach durch das Raster fallen. Dennoch wird der Tag durchaus zweigeteilt.

Bei SAVIA geht die erste Hälfte von 9 bis 14 Uhr. Für mich als 12-Uhr-Mittagesser schon eine Umgewöhnung, aber nichts gravierendes. Dafür gibt es bei uns jeden Tag so zwischen 11:30 und 12 Uhr eine tatsächliche Kaffee-Pause! Alle Mitarbeiter stehen auf, begeben sich in den Pausenraum, holen ein paar Packungen Kekse raus und schmeißen die Kaffee-Maschine an. Das lockert ein bisschen die Stimmung auf, regt zur Konversation an und motiviert zu anschließender konzentrierter Arbeit.

Um 14 Uhr ist Mittagspause. Die Kollegen zerstreuen sich in alle Richtungen der Stadt, manche bleiben im Büro, manche gehen nach Hause, manche gehen ins Restaurant. Ich entschied mich am ersten Tag, mit einem Kollegen ins Restaurant zu gehen. Er brachte mich in die „Bar Casa Nícol“, wo die Kellnerin bereits eine Flasche Wasser und Brot für ihn bereit gestellt hatte. Er erklärte mir, dass er jeden Tag hier zum Essen komme, an genau den selben Platz. Von der handschriflichen Speisekarte, wovon ich nichts außer „pollo“ und „ensalda“ verstand, suchte ich mir einen ersten und zweiten Gang („primero“ und „segundo“) aus. Das Drei-Gänge-Menü ist in Spanien sehr üblich, auch in kleineren Restaurants und Bars.

Die zweite Hälfte der Arbeitstages beginnt um 15 Uhr und geht bis 18:30 Uhr. Mir wurde gesagt, dass ich auch von 16 bis 19:30 Uhr arbeiten könne, das sei auch nicht unüblich.

Das Projekt

Was für Aufgaben kann man schon als ausländischer Drei-Wochen-Praktikant bekommen, wenn man weder von der Sprache geschweige denn von den Projekten der Firma eine Ahnung hat? Überraschenderweise sehr gute!

Ein Kollege wies mich auf Englisch in ein komplett neues Projekt ein, von dem ich möglichst den gesamten Entwicklungsprozess abgehen sollte. Das hat mich sehr erleichtert, denn so muss ich mich in nichts (oder wenig) Vorhandenes einarbeiten, sondern kann meine eigenen Ideen und Konzepte komplett einbringen und realisieren. Ich solle eine Android-App programmieren, mithilfe derer ein Administrator per Web-Services auf die Mitarbeiter-Datenbank der Firma zugreifen kann und bestimmte Kontakt-Informationen anzeigen und editieren kann. Dazu sollte ich mich zunächst in die Android-Programmierung einarbeiten und mich mit der Verwendung von Web-Services auseinandersetzen. Da ich mich schon seit längerem für Android-Programmierung interessiert, aber nie dazu gekommen bin, war ich sehr froh über dieses Projekt.

Das Fazit der ersten Woche

Es hätte so gut wie nichts besser laufen können! Natürlich, man ist auf sich gestellt und hat jede Menge Stress und Aufregung. Aber es wird einem auch geholfen und entgegengekommen, sodass sich einfach alles lohnt. Es gab Phasen bevor in die Reise angetreten habe, in denen ich kurz davor war, alles über den Haufen zu schmeißen, weil es einfach so ein unangenehmes Timing ist: Abschlussarbeiten und Zukunftsentscheidungen stehen bevor. Und dann noch für 3 Wochen in ein Land gehen, wo man die Sprache nicht versteht? Aber wenn ich jetzt so in die spanische Nachmittagssonne über den Dächern von Valdepeñas blicke denke ich doch, dass es eine sehr gute Entscheidung war. Man kommt auf andere Gedanken, lebt in einem anderen Umfeld und lernt neue Facetten kennen – genau die Gründe, aus denen ich mich überhaupt erst beworben habe.

Ich bin gespannt auf die weiteren zwei Wochen!

Hasta luego, Olli

Ausblick vom Balkon des Büros von SAVIA

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