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Auslandspraktikum als MaTSE – Woche 2: No entiendo!

This entry is part 4 of 6 in the series Auslandspraktikum als MaTSE

Eine weitere Woche im spanischen Valdepeñas ist vergangen. Es war eine spannende und erlebnisreiche Woche!

Reisewochenende

Als es letzte Woche langsam zum Wochenende überging, überlegte ich mir, wie ich dieses möglichst vielfältig gestalten kann. Eigentlich hätte ich auch nicht wenig Lust gehabt, einfach im Ort zu bleiben und zu entspannen. Das hätte ich vielleicht auch gemacht, wenn mein Gesamtaufenthalt länger wäre, aber in Anbetracht meiner kurzen Zeit hier dachte ich mir: Nutze ich sie.

Ich informierte mich über die interessantesten Städte in der Umgebung und checkte die Verkehrsverbindungen. Das Bahnnetz in Spanien ist sehr gut ausgebaut, allerdings muss man gut suchen, um eine Strecke von A nach B zu finden, die nicht zu lang und nicht zu teuer ist. Auch fahren die Bahnen am Wochenende vergleichsweise selten in gewisse Orte. Ich tendierte auf jeden Fall in den Süden: Wann hat man schon so eine Gelegenheit, innerhalb von ein paar Stunden Zugfahrt an der spanischen Küste zu sein?

Nach so einiger Zeit des Internet-Durchforstens fand ich schließlich die beste Kombination aus interessanten Städten, Bahnfahrten und Hostel-Übernachtungen: Am Freitag von Valdepeñas nach Sevilla und am Samstag von Sevilla nach Málaga (Küstenstadt). Am Sonntag Morgen dann von Málaga zurück nach Valdepeñas. Also so einiges vorgenommen!

Freitag: Sevilla

Sevilla ist die Hauptstadt Andalusiens und hat daher jede Menge interessantes Kulturelles zu bieten. Davon kann ich allerdings nichts berichten, da ich lediglich eine Nacht dort verbracht habe. Wovon ich allerdings berichten kann sind meine Erlebnisse mit den Hostel-Bewohnern.

Wer schon mal in deinem Hostel übernachtet hat, weiß, was dies mit sich bringt: Billige Unterkunft aber dafür meist unerwartete Qualitätsmängel. Das war mir allerdings vollkommen egal, da ich diese Reise nicht für ein angenehmes Zimmer angetreten bin. Was allerdings das eigentlich Tolle an Hostels ist, ist die Tatsache, dass man dort sehr viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern der gesamten Welt und mit unterschiedlichen Lebensstilen trifft und unmittelbar mit ihnen zusammenwohnt. So ergab es sich zum Beispiel, dass mich an der Rezeption direkt ein Österreicher auf Deutsch begrüßte. Des weiteren lernte ich ein paar Berliner Design-Studenten kennen, die gerade eine Exkursion mit ihrem Studiengang machten.

Noch interessanter wurde es allerdings später, als ich bei einem sogenannten „Bar Crawl“ mitmachte. Bei so einem Bar Crawl werden jede Menge Bewohner und Mitarbeiter von mehreren Hostels der Stadt zusammengetrommelt und dann von einer Bar zur anderen durchs Nachtleben geführt. Dabei lernte ich Menschen aus Slovenien, den USA, Canada, Mexico, Australien, Italien und natürlich Spanien kennen. Man kommt ins Gespräch (zum Glück sprechen alle Englisch) und unterhält sich über seine Reiseerlebnisse. Viele der Leute reisen von Land zu Land und arbeiten sich von einem Ort zum anderen. Für die Arbeit wird ihnen Unterkunft und Versorgung geboten. Henry aus Colorado zum Beispiel ist gerademal 18 Jahre alt und ist nach der Schule einfach mal nach Europa gegangen. Er war bereits in Irland, England und Frankreich und jetzt in Spanien. Ich hakte ein bisschen nach und es bestätigte sich meine Annahme, dass es auch eine Art der Flucht war vor der Pflicht, sich für ein Studien- oder Berufsfeld entscheiden zu müssen.

Samstag: Málaga

Nach der ereignisreichen Nacht im Zentrum von Sevilla und einem erholsamen Schlaf im überraschend hochwertigen Hostel (sehr sauber, solide Schließfächer und ein Vierer-Zimmer ganz für mich alleine) ging es mit dem Zug weiter nach Málaga. Hier kam bei 22 °C und dem Anblick des Strandes schon richtiges Urlaubsfeeling auf. Ich genoss also die spanische Sonne und das Meeresrauschen, wanderte hoch zu einem alten Castillo und blickte von dort auf die Stadt hinab.

In der Küche des Hostels kam später ich mit einem Schweden ins Gespräch, der sich ausgiebig über die heutigen Gesellschaftszustände und die vorherrschenden Zwänge hermachte. Er legte offen dar, dass ihm das Leben in seiner Heimat nicht mehr glücklich mache und er deshalb reise, wohin auch immer er wolle, bis er vielleicht irgendwann wieder nach Hause möchte. Später schlenderte ich noch etwas durch die sehr schöne Innenstadt, die von Tapas-Bars, Restaurants und trinkfreudigen Menschen nur so wimmelte.

Wohnen mit Spaniern

Nach meiner Reise kehrte ich zufrieden und müde in die Wohnung zurück, die ich mit der Spanier Toni teilte.

Das Leben dort ist etwas anders als das, was ich aus meiner Ein-Zimmer-Studentenwohnung in Aachen gewohnt bin: Es sind immer Leute dort, und zwar jede Menge! Es gab bisher nur einen einzigen Tag, an dem ich von der Arbeit nach Hause kam und keiner da war. An allen anderen Tagen war immer Besuch da. Das hieß aber nicht automatisch, dass Toni da war, nein nein. Die Gäste leben quasi auch dort. Sie kommen und gehen wann sie wollen, denn wenn einer drin ist kann er ja alle reinlassen und so weiter. Manche kommen einfach um mal Hallo zu sagen, manche kommen um zu trinken oder zu rauchen, manche kommen zum Kochen… Zunächst bereitete mir das ein bisschen Unbehagen: Schließlich kannte ich diese Leute nicht und sie hatten während meiner Abwesenheit Zugang zu meinem Zimmer. Aber schon bald lösten sich diese Gedanken in Luft auf. Diese Lebensweise basiert auf innigstes Vertrauen. Es sind alles Freunde, die nur das beste für einander wollen. Und auch ich wurde herzlich in die Runde aufgenommen. Mit viel Geduld wiederholen sie ihre spanischen Sätze oder übersetzen Teile davon auf Englisch, wenn ich mal was nicht verstehe (was den Großteil der Zeit passiert). Ich glaube die drei von mir am häufigsten verwendeten spanischen Ausdrücke sind „como?“ (wie bitte?), „no entiendo“ (ich verstehe nicht) und „despacio por favor“ (langsam bitte). Aber ich habe in den letzten Tagen schon sehr viel gelernt und es funktioniert schon deutlich besser.

Auch die Essgewohnheiten sind anders. Abendessen gibt es frühestens um 21:30 Uhr! Aber eher so 23 Uhr… Und dann richtig: Gemeinsam wird Tortilla de Patatas, Paella oder Pollo al Limone gekocht und gegessen. Gewisse Zutaten haben alle Gerichte gemeinsam: Öl, Knoblauch, Zwiebeln und Weißwein! Letzteres gibt dem ganzen immer eine besondere Note. Aber versteht das nicht falsch, Toni und ein paar seiner Kollegen sind vorzügliche Köche (was ihr Berufsfeld des Mechanikers nicht anmuten lässt). Jedes Gericht hat bisher fabelhaft geschmeckt. Das Putzen wird allerdings auf den nächsten Tag verschoben.

Entwicklung des Arbeitsprojektes

Das Android-Projekt läuft auf Hochtouren und hat einen ersten stabilen und benutzbaren Zustand erreicht. Vorgestern wurde ich darum gebeten, eine Präsentation über meinen Stand zu geben. Ich sollte ein Dokument ausfüllen, in dem ich die Programmvoraussetzungen definiere und meinen Arbeitsvorgang detailiert beschreibe. Meine Demostration dauerte ca. eine Stunde (mit anschließenden Fragen) und erwies sich als äußerst erfolgreich. Meine Chefs waren mehr als zufrieden mit meiner Arbeit und ich habe bereits mehr entwickelt, als für meinen gesamten Aufenthalt eingeplant war. Das gesamte Gespräch fand in einer sehr angenehmen und freundlichen Atmosphäre statt und ich fühlte mich wie ein geschätzer Mitarbeiter.

Mein Chef sagte er würde nun in Madrid anfragen, inwiefern mein Projekt für die weitere Entwicklung genutzt werden wird. Nächste Woche wird dann genau entschieden werden können, was die weiteren Schritte sind. Im Moment feile ich am grafischen Design und passe es dem Design der anderen Programme von SAVIA an.

Das Fazit der zweiten Woche

Nach fast zwei Wochen kann ich sagen: Me gusta mucho. Es gefällt mir sehr. Zu Hause habe ich nette Freunde gefunden und bei der Arbeit habe ich Spaß und Motivation. Und ein bisschen mehr vom Land habe ich auch gesehen. Was will man mehr!

Bis demnächst und liebe Grüße,

Olli

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2 Responses to Auslandspraktikum als MaTSE – Woche 2: No entiendo!

  1. Daniel says:

    Hey Olli,
    sehr interessant und ausführlich erzählt, da wird man ja richtig neidisch! 😉
    Viel Spaß noch in Spanien.

  2. Oliver Trinnes says:

    Cool, freut mich zu hören, dass es gern gelesen wird. Vielleicht hast du ja dann auch Lust auf n Auslandspraktikum! Wie du siehst kann ich es nur empfehlen. Bis bald 🙂